Hoffnung auf ein besonderes Geschenk

Weihnachtszeit im Gefängnis

Quelle: pixabay.com / meineresterampe
Für Häftlinge ist der Advent oft eine traurige Zeit. Seelsorger versuchen dem mit Weihnachtsfeiern, alkoholfreien Punsch und Lebkuchen entgegenzuwirken. Ein Besuch von Leonie Mielke (epd) in der Justizvollzugsanstalt Offenburg:

"Der Gefangene Willi * kann dieses Jahr auf ein besonderes Weihnachtsgeschenk hoffen: seine Freiheit. Noch in diesem Jahr wird entschieden, ob die Gefängnisstrafe des Mannes im mittleren Alter von 17 auf 10 Jahre verkürzt wird. 2019 könnte er dann freikommen.

In der Justizvollzugsanstalt Offenburg ist Willi Mitglied des "Gesprächs- und Bibelkreises". Acht bis zehn Männer treffen sich wöchentlich bei Gefängnis-Seelsorger Igor Lindner, der auch Vorsitzender der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland ist. Sie sprechen viel über Alltagsprobleme, Verantwortung und Schuld. Willi erzählt, er habe nichts Gescheites gelernt. Zirkusakrobatik und Gaunereien waren sein Leben, bis bei einem seiner Einbrüche eine Frau "umkam". Diese Schuld werde immer bleiben, sagt er.

An diesem Tag packen die Männer des Gesprächskreises kleine Weihnachts-Päckchen für die 600 Gefangenen in der Anstalt. In der Kirche des Gefängnisses tüten die Männer jeweils drei Lebkuchen, eine Kerze, einen Kalender, einen Flyer der katholischen und evangelischen Seelsorge sowie eine Weihnachts-Serviette ein. Die Serviette hat ihren besonderen Grund: "Sie wird in vielen Zellen die einzige Weihnachts-Deko sein", erklärt Pfarrer Lindner.  

In den nächsten Tagen werden Lindner und der katholische Pastoralreferent Simon Schilling jeden Gefangene besuchen und ihnen den "Weihnachtsgruß" vorbeibringen. Zudem wird es einen Heiligabend-Gottesdienst geben. Viele sind Weihnachten traurig, sagt Lindner. "Sie würden die Tage lieber mit ihren Liebsten verbringen. Stattdessen hängen sie Gedanken nach wie 'Ich bin immer noch' oder 'schon wieder im Gefängnis'", erklärt der Pfarrer, der seit neun Jahren in Offenburg arbeitet. Teils hätten die Insassen auch keinen Kontakt zu ihren Familien.

Das Gefängnis beschreibt er als eine Sonderwelt. "Man muss zeigen, dass man nicht schwach ist", erklärt er. Wer weine oder sage, es gehe ihm nicht gut, mache sich erpressbar. Drogen und Gewalt gehörten zum Alltag. In diesem Jahr hätten sich schon zwei Insassen das Leben genommen. Zudem wüssten viele nicht, wie sie der Langeweile entfliehen können. "Manche erleben über Jahre denselben Alltag, dieselben Leute und alles in einer vollkommen reizarmen Umgebung", sagt Lindner. Er sei froh über jeden, der nicht apathisch wird.  

Daher bieten die Seelsorger im Dezember auch eine Weihnachtsfeier an. 180 Männer haben sich dafür angemeldet. Da in der Gefängniskirche aber nur Platz für 60 Menschen ist, wird dreimal gefeiert. Zweimal haben sie schon mit einem Sänger bei alkoholfreiem Punsch beisammengesessen, in dieser Woche findet die letzte Feier statt.  

Willi sagt, er sei nicht gläubig. "Aber wir sind oft niedergeschlagen. Der Austausch im Gesprächskreis hilft, den negativen Gedankenfluss zu unterbrechen." Thomas*, der wegen Totschlags eine Strafe von zehn Jahren verbüßt, sagt, für die Angehörigen sei die Weihnachtszeit schlimmer als für die Insassen. "Ich weiß, was ich getan habe. Aber meine zwei Kinder konnten nichts dafür, dass ich sie alleingelassen habe", bedauert der Akademiker. Das tue ihm am meisten weh.

Er wünscht sich, dass die Zeit im Gefängnis sinnvoller gestaltet werden könnte. Er habe daher einen Antrag auf Gründung einer Theatergruppe gestellt. Und es sollte viel mehr Aus- und Weiterbildungsangebote in den Gefängnissen geben, sagt der 51-Jährige. "Bei mir ist es fast noch egal. Ich bin ein alter Mann, wenn ich rauskomme." Aber es gebe im Gefängnis viele junge Männer, die keine Ausbildung und auch keine Ideen für ein "Leben nach dem Knast" haben.

Willi sagt, er hofft, dass er nach seiner Freilassung irgendwo als Lagerist anfangen kann. Sorgen, dass es nach zehn Jahren Gefängnis schwierig werden könnte sein Leben wieder selbst zu gestalten, macht er sich keine. "Ich denke, ich werde gut klarkommen", sagt er."
 
 
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